Auffahrtsskitouren 26. Mai -29. Mai 2022

Auffahrtsskitouren 26. Mai -29. Mai 2022

Tourenleiter: Hugues Hagmann

Bergführer: Walter Fletscher

Nach wochenlangem Bibbern und Hoffen unsere Skis nach diesem viel zu sparsamen Winter doch noch einmal hervornehmen zu dürfen (oder beim ein oder anderen Teilnehmer vielleicht auch eine leise Hoffnung, dass man die gemeldeten 30°C im Unterland in der Badehose geniessen könnte), erreichte uns am Sonntagabend die Mail von Hugues, dass die Auffahrtsskitouren auch 2022 stattfänden. So tröpfelten wir aus verschiedenen Regionen der Schweiz – anfangs noch als Aussenseiter mit Skis auf dem Buckel – in Grindelwald ein, wo dann Skis das normale Gepäck eines jeden Reisenden waren.

Wie in einer Sardinenbüchse bewältigten wir und unsere Skis die letzten Höhenmeter bis zum Jungfraujoch wo wir uns zuerst einmal mit gefühlt 1000 Gleichgesinnten noch eine Stärkung am Kiosk gönnten, bevor wir uns für vier Tage von der Zivilisation verabschiedeten. Der Abschied fiel uns allerdings sehr leicht, denn es lockte der perfekte Sulz und die Sonne strahlte mit unseren lachenden Gesichtern um die Wette. Nach einer kurzen Abfahrt ging es auch schon ans Anfellen und Anseilen, um die ersten Höhenmeter zum Louwihorn zu bewältigen. Majestätisch erhob sich das Aletschhorn vor uns (oder je nach Atemkapazität auch nur die eigenen Skispitzen). Nach einer kleinen Stärkung (einige setzen hierbei auf getrocknete Mangos, andere scheinen sich in die Salat – und Kerne – Abteilung oder ins Spitzensportregal des SportxX verirrt zu haben) und einer Pause, konnten wir eine wunderschöne lange Sulzabfahrt hinunter auf den Konkordiaplatz geniessen. Dort gönnten wir unseren Oberschenkeln wieder eine kurze Pause, bevor wir ohne Felle aber im Laufmodus noch zwei Gletscherbäche querten und schliesslich die nicht enden wollenden Metallstufen zur Konkordiahütte erklommen.

Das Tagesprogram für den Freitag begann mit einem Wecker um 02:50 Uhr, der Challenge das Brot mit der zu harten Butter zu beschmieren, ohne es kaputt zu machen und dem Abmarsch um 03:30 Uhr im Licht der Stirnlampe. In gemächlichem Tempo, weil die Akklimatisation noch nicht abgeschlossen war, liefen wir den Grüneggfirn hoch, welcher anfangs noch ganz flach war, aber zunehmend steiler wurde und mehr Skitechnik, respektive bald einmal Harscheisen verlangte. Darüber hinweg tröstete die wunderbare Sicht auf das Aletschhorn welches im Morgenrot glühte und die Gipfelaussicht – nicht etwa auf die umliegenden Gipfel, sondern auf den Nebel im Wallis. Nach einer ausgiebigen Stärkung auf dem Grünegghorn erfolgte die Abfahrt und die Querung hinüber in die Grünhornlücke (hier empfahl sich ein gut gewachster Ski). Nun galt es nur noch die letzten 300 Höhenmeter des Tages zu überwinden – Einzelnen von uns gefiel dieser Anstieg so sehr, dass sie ihn gar zweimal zurücklegten – bevor wir die letzte schöne Sulzabfahrt des Tages zur Finsteraarhornhütte geniessen konnten. Wie von Walter perfekt vorausgesagt, erreichten wir die Hütte am Mittag und konnten unser Motto «Öppis und Rösti, das isch s’Grösti» in die Tat umsetzen. Die ganze Garderobe wurde sonnengetrocknet und als uns Walter eröffnete, dass die Tagwache am folgenden Morgen erst um 04:20 Uhr sei, kam uns das vor wie Ausschlafen.

Der nächste Morgen begann mit einer holprigen Abfahrt über den Fieschergletscher bis zur Aufstiegsroute auf das grosse Wannenhorn. Der Nebel im Wallis sorgte für Hugues’ gute Laune und durch den Wind etwas erschwerte Bedingungen beim Aufstieg. Die Gletscherwelt war beeindruckend und mit montierten Harscheisen war die Bodenhaftung auch gut genug, um ab und zu seinen Blick von den Skispitzen zu heben. Leider nahm der Wind mit steigender Höhe auch immer mehr zu, weshalb wir auf dem Gipfelgrat gezwungen waren, umzukehren. Nach einem gewonnenen Kampf gegen den Wind (niemand verlor Felle, Stöcke, Handschuhe oder sonst etwas) genossen wir eine weitere wunderbare Sulzabfahrt, bevor wir leider etwas zu früh für «Bier und Rösti» wieder in der Finsteraarhornhütte eintrafen. Die Zeit bis zum Nachtessen verbrachten wir mit Schlafen, Skis hochtragen, Essen und Molotov von der Sektion Brugg lernen und spielen und gewinnen, bevor uns Walter das leicht angepasste Programm für den letzten Tag vorstellte. Es sollte alpintechnisch noch etwas anspruchsvoller werden.

So läutete der Wecker, respektive mittlerweile die innere Uhr wieder um 04:20 Uhr bevor wir um 05:30 Uhr mit den Skis auf dem Rucksack in Richtung Gemschlicke losmarschierten. Die erste rutschige Stunde war geprägt von Skis an- und ausziehen, bevor wir sie dann eingangs Couloir aufbanden und den Pickel und die Steigeisen für das 40° steile Couloir zur Hilfe nahmen. Der Walliser Nebel hat mittlerweile auch das Berner Oberland erreicht, weshalb uns vom Oberaarjoch her Nebelschwaden entgegenkamen. Deshalb erfolgte die Abfahrt über den Oberaargletscher quasi im Blindflug über den noch gefrorenen Restschnee, was uns alle daran erinnerte, wie wir zu Beginn unserer Skikarriere einmal unsicher und ohnmächtig auf diesen Latten standen und sie mit uns unkontrollierbare Wege einschlugen. Am Ende des Gletschers blies uns ein böiger Wind die Grimselschlange ins Gesicht und unsere übersäuerten Oberschenkel waren zunächst einmal froh, dass es nur noch flach nach vorne zum Grimselpass zu laufen galt. Bis wir dann nach einer Stunde merkten, dass wir noch mindestens eine weitere Stunde «watscheln» müssen, bis wir auf dem Pass ins Alpentaxi sitzen können. Immerhin zeigte sich die Sonne wieder mehr, je weiter wir uns vom Wallis entfernten, aber leider reichte es am Bahnhof in Meiringen nicht mehr für einen Zwischenhalt im Istanbul – Imbiss, und so mussten wir unsere hungrigen Bäuche noch eine Weile mit den tollen Erlebnissen der letzten vier Tage und den übrig gebliebenen Gels ernähren.

Lena Straumann

Teilnehmer: Sandra, Corina, Reto, Patrick, Lena