Hochtour – 23./24. Juli 2022 – Piz Ault (Alternative zu Oberalpstock) – WS

Hochtour – 23./24. Juli 2022 – Piz Ault (Alternative zu Oberalpstock) – WS

Unsere Tour startete gemütlich mit einer späteren Anreise (9:30) via Chur nach Disentis.

Von Disentis führte uns der Wanderbus in das abgelegene Val Russein, zum Schluss aus Platzgründen sogar noch rückwärts bis zum Ausgangspunkt. Mit tropisch anmutenden klimatischen Bedingungen machten wir uns dann auf Richtung Camona da Cavardiras. Mit Farn und Heidelbeeren gesäumt, schlängelte sich unser Weg zuerst zu einer ersten Hochebene, wo sich unser Weg ins westliche Tal Val Cavadiras abzweigte. Nach und nach passte sich die Vegetation eher dem vertrauten Hochgebirge an, und auch der Weg zeigte Spuren von Veränderung. Leider eher traurige, welche uns noch das restliche Wochenende begleiten werden. Vorbei an bröckligen Steilhängen, letzte Überreste von einem Blockgletscher, führte unser Weg auf eine kleine Felskuppe, von der unser Tagesziel nur noch paar wenige Wanderminuten entfernt über uns thronte.

Auf der Hütte angekommen wurden wir herzlichst vom Hüttenpersonal empfangen und konnten in geselliger Runde in den Abend starten. Nach dem gemütlichen Abendessen gings an die Tourenplanung, denn die geplante Besteigung des Oberalpstocks über die Normalroute ist diesen Sommer zunehmend schwieriger und sehr durch Steinschläge gefährdet. Dies hat auch an diesem Nachmittag eine Seilschaft in eine schwierige Situation gebracht, wie uns das Hüttenpersonal erzählte. Nach einem Steinschlag mussten sie von einem Team der Alpinen Rettung geborgen und später ausgeflogen werden. Mit diesen Aussichten war der Oberalpstock für uns keine Option mehr und so entschied sich Markus mit uns den Piz Ault als Alternative in Angriff zu nehmen.

Am nächsten Morgen starteten wir frisch gestärkt unsere Alternativ-Tour zum 301 Meter kleineren Piz Ault. Das auch die angepeilten Wochenend-Höhenmeter erreicht wurden, entschieden sich ein paar Frühaufstehen vor dem Frühstück zu einem Sonnenaufgangsspaziergang auf den naheliegenden Gwasmat.

Von der Hütte aus gings über die Fuorcla da Cavardiras zum Brunnifirn und von da mit knirschenden Steigeisen zur Fuorcla da Strem Sut. Auf dem Gletscher begriffen wir umso mehr, den Rat des Hüttenteams. Aper wie im September und am Rand mit Steinblöcken übersäht zeigt sich der Brunnifirn in einem traurigen Zustand.

Trotz diesen Bedingungen gelang uns ein schneller Aufstieg zur Fuorcla. Entlang dem Grat unter der Führung unserer drei tollen Seilschaftsführer:innen erklommen wir mit schöner Blockkletterei zügig den Gipfel. So schnell wie wir oben waren, sollen wir auch wieder unten sein, hat sich wohl Markus gedacht, und so seilten wir uns kurzerhand in zwei Seillängen vom Gipfel ab. Von da aus führte uns der Weg via Lai Alv zum Cuolm da Vi, wo wir uns dann den Abstieg der letzten 700 Höhenmeter mit der Seilbahn erleichtert haben. Von Sedrun gings dann zurück nach Hause. Ein großartiges Wochenende, um der Rekordhitze zu entfliehen, doch auch in der Höhe sind die Folgen dessen nicht zu übersehen.

Lorenz Schmid