Die Kunst der Wettervorhersage (Alpinklassiker – Sidelenhütte)

Die Kunst der Wettervorhersage (Alpinklassiker – Sidelenhütte)

Tourleitung: Alex Troitzsch

Ja wie ist das so mit dem Wetter – man schaut hier (Meteo Schweiz), man schaut dort (Meteo Blue) man schaut aus dem Fenster und hat drei Meinungen und vier verschiedene Prognosen. Einig waren wir uns: Trotz unsicherer Prognose – was im Tourenprogramm veröffentlicht wird muss auch gemacht werden.
Und wenn sich die Propheten bewegen muss das Bergwetter halten!
Am Freitag ging es erstmal zu fünft in den Clean-Klettergarten (nur die Stände gebohrt) um das persönliche Limit auszuloten, was in etwa bei 5b gefunden wurde. Gefunden wurden auch die ersten Kristallspitzen. Beim einen oder anderen Teilnehmer führte dies zu einem Sammelfieber und leichten Abstiegsschwierigkeiten, doch dazu später mehr.
Nachdem Nachmittags die letzten beiden Teilnehmer dazu gestossen waren fand der Tag zumindest für Thomas W. einen erfolgreichen Abschluss beim Differenzler-Jass. Andere hatten das Spiel nicht so gut verstanden und mit möglichst vielen Punkten abgeschlossen. Vielleicht lag dies aber auch an der zuvor durchgearbeiteten Nacht…
Jedenfalls sanken alle begleitet von Regenprasseln in einen erholsamen Schlaf.
Am Samstag sollte dann der Hanibalturm bestiegen werden. Auch hier wurde die Tour von einem Regenprasseln begleitet. So setzte sich nach der zweiten/dritten Seillänge bei allen drei Seilschaften ganz ohne Absprache der Wunsch zum Rückzug durch. Es ist einfach wunderbar wenn man sich am Berg ohne Worte versteht…
Kaum am Wandfuss kam die Sonne durch – was die blinde Absprache etwas in Frage stellte. Beim Rückweg zur Hütte stolperten wir dann über den einen oder anderen Kristall und das Sammelfieber sorgten für den Rest des Tages dafür, dass trotz erneutem Regen allen warm war. Sogar den drei die gefühlt in jeder freien Minute dem Nudismus im kleinen See unterhalb der Hütte frönten…
So ging der Tag gut rum und wurde abends mit zwei bis fünf Portionen Älplermakronen pro Person beendet.
Endlich war es Sonntag. Sonnig wie der Name schon sagt. Der Höhepunkt der Woche. Nicht zu kalt und nicht zu warm. Mit den ersten Sonnenstrahlen stiegen wir in die Routen Perrenoud (6a) (Thomas alias Bingo, Petra, Alex und Heide) und Sacramotion (6c+/7a) (Thomas W. und J.) ein. Wie im Rausch zogen die Seillängen an uns vorüber: kompakter, rauer Granit, Risse, Platten, Piazstellen, lange Seillängen mit weiten Haken-Abständen, anhaltende Schwierigkeiten – das Herz von Thomas W. schlug mit jedem Meter höher. Das Herz von Thomas J. mit jedem Meter vor Anstrengung schneller.
Zum Zeitpunkt der Berichterstellung sitzen Thomas W und Thomas J gemütlich vor der Sidelenhütte bei Schweinswürsten und Panache und hoffen dass die anderen auch so eine Freude hatten. Tja so ist das halt: je schwerer desto schneller muss man klettern und desto kürzer ist das Vergnügen und desto länger die Wartezeit 😉

Epilog:
Es entspannte sich eine Diskussion: Ein wahrer Klassiker wie die Perrenoud braucht eben seine Zeit! Da muss man viel legen!
Ha – und lauter Graslängen! Nein – einfach eine logische Linie!
Es ging richtig zur Sache! Die Geier und Gleitschirmflieger mussten auch beobachtet werden. Und Klimmzüge brauchte es auch. Und ausserdem hätte die Sacramotion Seilschaft am gemeinsamen Ausstieg durchaus auch einen Steinmann bauen können. Dann wäre der Ausstieg auch leichter zu finden gewesen…

Und am Schluss mussten alle noch auf den Sammelfiebrigen mit seinem 25 kg schweren Rucksack warten.

Ps: Am See hatte es Nebel und drei haben nicht gestunken…

Teilnehmende: Petra, Heide, Daniel und 3 mal Thomas